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200 Millionen Dollar aus Teheran: Iran sichert Hisbollahs Einfluss im zerstörten Libanon

200 Millionen Dollar aus Teheran: Iran sichert Hisbollahs Einfluss im zerstörten Libanon


Trotz Sanktionen und immer schwierigeren Geldwegen hat Iran der Hisbollah 200 Millionen Dollar zukommen lassen. Offiziell sollen damit rund 50.000 vom Krieg betroffene Familien unterstützt werden, doch das Geld stärkt zugleich genau jene Terrororganisation, die den Libanon erneut in einen Krieg gezogen hat.

200 Millionen Dollar aus Teheran: Iran sichert Hisbollahs Einfluss im zerstörten Libanon
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Iran hält seine wichtigste Terrororganisation im Libanon weiter finanziell am Leben. Nach Informationen von Reuters hat die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im September 200 Millionen Dollar aus Teheran erhalten. Zwei Personen mit direkter Kenntnis des Transfers bestätigten die Zahlung. Die Hisbollah selbst räumte ein, dass ein größerer Geldbetrag gesichert worden sei, nannte jedoch weder die Höhe noch dessen Herkunft. Ein Verteilungsplan solle in den kommenden Tagen vorgestellt werden.

Nach Angaben der Quellen soll das Geld zunächst an etwa 50.000 Familien gehen, die durch den Krieg seit März ihre Häuser verlassen mussten oder aus besonders schwer zerstörten Gebieten im Süden stammen. Vorgesehen seien zunächst 3.000 Dollar je Familie. Bevorzugt würden Menschen aus Ortschaften, die weitgehend zerstört oder wegen der israelischen Sicherheitspräsenz bislang nicht zugänglich seien. Ob die aus Iran gelieferten 200 Millionen Dollar tatsächlich vollständig für zivile Hilfe verwendet werden, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.

Gerade diese Einschränkung ist entscheidend. Die Hisbollah ist keine neutrale Hilfsorganisation, sondern eine von Iran aufgebaute und finanzierte Terrororganisation mit eigener Armee, Waffenproduktion, Geheimdienststrukturen und einem weitreichenden wirtschaftlichen Netzwerk. Sie zahlt weiterhin ihre Kämpfer sowie Angehörige getöteter Terroristen. Das US-Finanzministerium dokumentiert seit Jahren, dass iranisches Geld gleichzeitig für Gehälter, Waffen, militärische Infrastruktur und den Wiederaufbau der Organisation verwendet wird.

Die 200 Millionen Dollar sind deshalb mehr als humanitäre Hilfe. Sie ermöglichen der Hisbollah, sich gegenüber jener schiitischen Bevölkerung erneut als Versorger zu präsentieren, deren Wohnorte und Lebensgrundlagen durch einen Krieg zerstört wurden, an dessen Ausweitung die Terrororganisation selbst maßgeblich beteiligt war.

Selbst Geld aus Iran wird inzwischen extrem teuer

Bemerkenswert ist, unter welchen Bedingungen das Geld überhaupt noch in den Libanon gelangt. Die Mittelsmänner verlangten nach Angaben der Reuters-Quellen eine Gebühr von 20 Prozent. Einer der Informanten erklärte, dies sei etwa viermal so viel wie normalerweise üblich. Dahinter steht das gestiegene Risiko für jeden, der Finanztransaktionen für die Hisbollah abwickelt.

Washington hat diese Netzwerke in den vergangenen Monaten massiv unter Druck gesetzt. Das US-Finanzministerium beschrieb erst im August ein System von Bargeldkurieren, die auf kommerziellen Flügen zwischen Iran, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Libanon Geld transportierten. Über solche Wege sollen Summen von bis zu mehreren hundert Millionen Dollar außerhalb des regulären Bankensystems bewegt worden sein. Im September verhängten die USA weitere Sanktionen gegen Personen und Unternehmen, die nach amerikanischen Erkenntnissen Geld der iranischen Quds-EinheitQuds-Einheit: Irans geheime Kommandozentrale gegen IsraelDie Quds-Einheit ist die für Auslandseinsätze zuständige Eliteeinheit der Islamischen Revolutionsgarden des Iran. Sie unterstützt Terrororganisationen und Milizen in der Region, darunter Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und schiitische Milizen.Mehr lesen zur Hisbollah transferieren.

Das Finanzministerium nennt den Zweck dieser Transfers ausdrücklich: Waffen kaufen, militärische Ausrüstung herstellen und Mitglieder der Hisbollah bezahlen.

Schon 2025 war die Größenordnung enorm. Nach Angaben des US-Finanzministeriums überwies die iranische Quds-Einheit allein seit Januar jenes Jahres mehr als eine Milliarde Dollar an die Hisbollah, überwiegend über Geldwechselunternehmen und die weitgehend bargeldbasierte libanesische Wirtschaft. haOlam berichtete damals ausführlich über dieses System. Eine jüngere Untersuchung, über die wir Anfang Oktober berichteten, bezifferte zusätzlich allein den Wert der 2024 vom Iran kostenlos gelieferten Hisbollah-Waffen auf etwa 129 Millionen Dollar.

Dass Teheran jetzt trotz eigener Wirtschaftskrise weitere 200 Millionen Dollar verfügbar macht, zeigt die politische Priorität. Der iranische Rial ist auf ein Rekordtief gefallen, die Inflation liegt nach aktuellen Angaben bei mehr als 70 Prozent, und die iranische Bevölkerung trägt die Folgen des internationalen Sanktionsdrucks. Trotzdem fließen erhebliche Mittel an eine bewaffnete Organisation außerhalb des eigenen Landes.

Für das Regime ist die Hisbollah keine Wohltätigkeitsorganisation, sondern strategisches Kapital.

Hilfe für Familien stabilisiert auch die Terrororganisation

Die Methode ist nicht neu. Nach dem Libanonkrieg 2006 zahlte die Hisbollah schnell Bargeld an Betroffene und beteiligte sich am Wiederaufbau zerstörter Gebiete, insbesondere in ihren Hochburgen im Süden und in den südlichen Vororten Beiruts. Damit erfüllte sie Aufgaben, die eigentlich Sache des libanesischen Staates gewesen wären, und festigte zugleich ihre politische und gesellschaftliche Kontrolle.

Dieses Modell funktioniert nur, solange Geld vorhanden ist.

Genau deshalb bezeichnete eine mit den Finanzwegen vertraute Quelle das Geld gegenüber Reuters als „Sauerstoff“ der Hisbollah. Die Formulierung trifft den Kern. Nach schweren israelischen Schlägen hat die Terrororganisation tausende Kämpfer verloren, WaffenlagerTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen, Tunnel, Kommandostrukturen und Infrastruktur wurden zerstört. IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hat im Südlibanon große militärische Anlagen beseitigt und hält weiterhin strategische Positionen, um einen schnellen Wiederaufbau unmittelbar an seiner Grenze zu verhindern.

Militärische Schwächung allein beseitigt jedoch nicht das System Hisbollah. Solange Iran genügend Geld liefern kann, kann die Organisation Kämpfer und Angehörige bezahlen, Netzwerke erhalten und sich gegenüber der Bevölkerung weiterhin als unverzichtbare Schutz- und Sozialmacht darstellen.

Dabei fällt der Unterschied zu 2006 auf. Diesmal blieb die sichtbare Wiederaufbauhilfe der Hisbollah über Monate vergleichsweise begrenzt. Generalsekretär Naim Qassem kündigte erst Ende September an, die Organisation werde sich mit „verfügbaren Ressourcen und Spenden“ an einem Wohnungsprojekt für tausende Vertriebene beteiligen. Wenige Tage später wird nun bekannt, dass Iran bereits 200 Millionen Dollar geliefert hat.

Die Dimension der Zerstörung kann diese Summe ohnehin nicht annähernd ausgleichen. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam bezifferte die gesamten Wiederaufbaukosten der beiden Kriege seit 2024 zuletzt auf mehr als 27 Milliarden Dollar. Die iranische Zahlung entspricht also nicht einmal einem Prozent dieser Größenordnung.

Politisch kann sie trotzdem sehr wertvoll sein.

50.000 Familien mit jeweils einigen tausend Dollar zu erreichen bedeutet Zehntausende direkte Abhängigkeiten von einer Organisation, deren militärische Entscheidungen der libanesische Staat über Jahre weder kontrollieren noch verhindern konnte. Wer das Geld verteilt, entscheidet zudem, wer zuerst Hilfe bekommt und wer warten muss. Gerade in zerstörten schiitischen Gebieten verschafft das Macht.

Die Hisbollah kann sich damit als Retter vor den Folgen eines Krieges präsentieren, den sie selbst mit herbeigeführt hat.

Der Libanon steht deshalb vor derselben Grundfrage wie seit Jahren: Soll ein souveräner Staat für Wiederaufbau, Sicherheit und soziale Hilfe zuständig sein, oder eine vom Iran finanzierte Terrororganisation mit eigener Armee?

Solange Teheran hunderte Millionen Dollar in dieses Parallelwesen pumpt, bleibt die Antwort offen.

Israels militärische Operationen haben der Hisbollah Waffen, Kämpfer und Infrastruktur genommen. Die amerikanischen Sanktionen machen den Geldtransport inzwischen so riskant, dass Vermittler enorme Gebühren verlangen.

Doch 200 Millionen Dollar haben ihren Weg trotzdem gefunden.

Das zeigt sowohl die Wirkung des Drucks als auch seine Grenze: Irans Terrornetzwerk ist teurer und schwieriger zu finanzieren geworden.

Abgeschnitten ist es noch lange nicht.




Autor: Redaktion
Donnerstag, 08 Oktober 2026

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