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Außenposten bei Jericho: Israels Armee widerspricht schweren Vorwürfen gegen General

Außenposten bei Jericho: Israels Armee widerspricht schweren Vorwürfen gegen General


Israels Zentralkommandeur Avi Bluth soll vorab von einem umstrittenen Siedlungsprojekt gewusst und andere Offiziere bewusst ausgeschlossen haben. Die IDF weist den Vorwurf zurück, bestätigt jedoch ein Treffen mit einem beteiligten Offizier. Inzwischen muss die Armee den neuen Außenposten absichern, während die Rechtmäßigkeit der Grundstücksgeschäfte ungeklärt bleibt.

Außenposten bei Jericho: Israels Armee widerspricht schweren Vorwürfen gegen General
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ein neuer Außenposten bei Jericho sorgt innerhalb der israelischen Armee für erhebliche Spannungen. Nach einem Bericht der ZeitungHaaretzsoll Generalmajor Avi Bluth, der Kommandeur des für Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen zuständigen Zentralkommandos, bereits vor dem Einzug israelischer Familien über das Vorhaben informiert gewesen sein. Dem Bericht zufolge soll er sogar dafür gesorgt haben, dass andere zuständige Offiziere zunächst nicht eingeweiht wurden. Die israelischen Streitkräfte weisen diese Darstellung ausdrücklich zurück.

Am Samstagabend, dem 7. November 2026, bestätigten militärische Quellen gegenüber derJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Postallerdings, dass Bluth vor dem Einzug der Familien mit Oberstleutnant Elitzur Trabelsi zusammengetroffen war. Trabelsi ist als regionaler Verteidigungsoffizier tätig und soll nach dem Bericht vonHaaretzan der Vorbereitung des Vorhabens beteiligt gewesen sein.

Die Armeeführung bestreitet, dass bei dem Treffen die Errichtung des Außenpostens besprochen wurde. Es habe sich um einen gewöhnlichen dienstlichen Kontakt gehandelt, wie er zwischen dem Kommandeur und regionalen Sicherheitsverantwortlichen regelmäßig stattfinde.

Auch die Behauptung, Bluth habe andere Offiziere bewusst übergangen, wird zurückgewiesen.

Damit stehen sich zwei widersprüchliche Darstellungen gegenüber. Während sichHaaretzauf mit dem Vorgang vertraute Sicherheitsquellen beruft, bestreitet die IDF ausdrücklich, dass ihr Kommandeur heimlich an der Aktion mitgewirkt habe. DieJerusalem Postkonnte keine der beiden Versionen unabhängig bestätigen.

Gerade deshalb wäre es verfrüht, Bluth eine Beteiligung an einer nicht genehmigten Siedlungsaktion als erwiesene Tatsache vorzuwerfen.

Der Vorgang ist dennoch bedeutsam. Er betrifft nicht nur die Errichtung eines umstrittenen Außenpostens, sondern auch die Frage, ob militärische Entscheidungen ordnungsgemäß vorbereitet und innerhalb der Befehlskette abgestimmt wurden.

Acht Gebäude, 13 Familien und eine ungeklärte Eigentumsfrage

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist der Einzug israelischer Familien in acht Gebäude am Rand von Jericho.

Am Mittwoch, dem 4. November, bezogen nach israelischen Medienberichten 13 Familien die Häuser in der Nähe des palästinensischen Stadtgebiets. Die Aktion wurde von der Siedlungsorganisation Nachala und dem Regionalrat Binyamin unterstützt.

Beide Organisationen erklärten, die Gebäude seien im Rahmen eines zuvor vorbereiteten Grundstücksgeschäfts erworben worden.

Der Vorsitzende des Regionalrats, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Gantz, stellte den Schritt ausdrücklich in einen größeren politischen Zusammenhang. Nach seiner Darstellung soll die neue jüdische Präsenz dazu beitragen, die durch die Oslo-Abkommen entstandene territoriale Ordnung zu verändern.

Die Aktion ist daher nicht allein als privater Immobilienerwerb zu verstehen. Ihre Organisatoren verbinden sie ausdrücklich mit einem politischen Ziel.

Die Gebäude liegen im sogenannten Gebiet C von Judäa und Samaria. Dort besitzt Israel nach der gegenwärtigen Verwaltungsordnung die zivile und militärische Kontrolle. Unmittelbar angrenzend befindet sich jedoch Gebiet A, in dem die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen nach den Oslo-Vereinbarungen weitreichende Zuständigkeiten besitzt.

Die geografische Lage ist besonders sensibel, weil eine neue israelische Wohnsiedlung unmittelbar am Rand eines palästinensischen Stadtgebiets zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machen kann.

Bislang ist auch die rechtliche Grundlage des behaupteten Immobilienerwerbs ungeklärt.

Nach Informationen des israelischen Nachrichtenportals Walla prüfen die zuständigen Behörden weiterhin, wie die Grundstücke erworben wurden und ob das Verfahren die erforderliche Zustimmung der israelischen Zivilverwaltung erhalten hat.

Dabei besteht eine Besonderheit: Nach vorliegenden Angaben handelt es sich um staatliches Land. Die Frage, ob einzelne Gebäude rechtmäßig erworben wurden, ist deshalb von der Frage zu unterscheiden, ob ihre Nutzung als neuer Wohnstandort behördlich genehmigt wurde.

Der Kauf eines Gebäudes bedeutet nicht automatisch, dass auf dem dazugehörigen Grundstück eine neue Siedlung errichtet oder bewohnt werden darf.

Die Organisatoren vertreten die Auffassung, rechtmäßig gehandelt zu haben. Eine abschließende Entscheidung der zuständigen Behörden ist jedoch nicht bekannt.

Auch die ursprünglichen Angaben zur Beteiligung der Armee sind widersprüchlich.

Der Regionalrat Binyamin hatte zunächst erklärt, die Familien seien beim Einzug von israelischen Soldaten abgesichert worden. Die IDF teilte dagegen mit, dass die Aktion weder mit ihr abgestimmt noch von ihr genehmigt gewesen sei.

Diese Unterscheidung ist wesentlich.

Soldaten können eine bereits entstandene Situation absichern, ohne dass die militärische Führung das zugrunde liegende Vorhaben zuvor genehmigt hat.

Aus einer späteren Sicherheitsbegleitung lässt sich deshalb nicht automatisch eine vorherige Zustimmung zur Errichtung des Außenpostens ableiten.

Genau diese Frage steht nun im Mittelpunkt der Auseinandersetzung um Generalmajor Bluth.

Nach dem Bericht vonHaaretzsoll er im Vorfeld mehrere Gespräche mit Beteiligten geführt und die Organisatoren angewiesen haben, andere Kommandeure zunächst nicht zu informieren. Außerdem soll er ihnen kurz vor dem Einzug Erfolg gewünscht haben.

Die IDF weist diese Behauptungen zurück. Militärische Quellen erklärten, die Zeitung habe mehrere unterschiedliche dienstliche Kontakte zu einem unzutreffenden Gesamtbild verbunden.

Welche Darstellung den tatsächlichen Ablauf wiedergibt, lässt sich anhand der bisher öffentlich bekannten Informationen nicht abschließend beurteilen.

Der neue Außenposten bindet bereits Sicherheitskräfte

Unabhängig vom Streit über die vorherige Kenntnis der Armeeführung hat der Einzug der Familien inzwischen konkrete militärische Folgen.

Nach Angaben von Walla führten Kommandeure des Zentralkommandos Ortsbesichtigungen durch und untersuchten die Sicherheitslage rund um die Gebäude.

Die Armee will insbesondere verhindern, dass es zwischen israelischen Bewohnern und palästinensischen Anwohnern zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt.

Generalmajor Bluth entschied, dass der Zugang zum neuen Wohnbereich bis auf Weiteres nur zu bestimmten Zeiten und unter militärischer Begleitung erfolgen soll.

Damit ist der neue Außenposten bereits zu einer zusätzlichen Aufgabe für die IDF geworden.

Nach Angaben militärischer Quellen ist derzeit keine dauerhafte weitere Verstärkung der in dem Gebiet eingesetzten Truppen vorgesehen. Allerdings müsse die Armee Kräfte für eine Aufgabe bereitstellen, die in dieser Form nicht eingeplant gewesen sei.

Das kann sich auf andere militärische Einsätze auswirken.

Genau vor dieser Entwicklung hatten israelische Sicherheitsvertreter in den vergangenen Monaten wiederholt gewarnt.

Bereits im August wurde bekannt, dass die IDF wegen Auseinandersetzungen um nicht genehmigte Außenposten in Samaria zusätzliche Soldaten einsetzen musste. Nach einem damaligen Bericht des israelischen Armeeradios konnten geplante Festnahmen palästinensischer Terrorverdächtiger teilweise nicht wie vorgesehen durchgeführt werden, weil Truppen anderweitig gebunden waren.

Der Fall Kusra hatte diese Problematik besonders deutlich gemacht.

Dort war ein nicht genehmigter Außenposten in unmittelbarer Nähe palästinensischer Wohnhäuser errichtet worden. Die israelischen Sicherheitskräfte räumten ihn später. Gleichzeitig untersuchte die Armeeführung, weshalb die Räumung so lange gedauert hatte und wie einzelne Soldaten mit den beteiligten israelischen Zivilisten umgegangen waren.

Generalmajor Bluth hatte die Situation damals persönlich überprüft und Maßnahmen zur Durchsetzung der militärischen Anordnungen verlangt.

Gerade deshalb erhalten die jetzigen Vorwürfe gegen ihn zusätzliche Bedeutung.

Ein Kommandeur, der bereits mehrfach gegen eigenmächtige Aktionen israelischer Zivilisten vorgehen musste, wird nun selbst beschuldigt, bei einem neuen Vorhaben vorab informiert gewesen zu sein und die gewöhnlichen Abstimmungswege umgangen zu haben.

Die Armee bestreitet dies ausdrücklich. Bislang gibt es keinen öffentlich überprüfbaren Nachweis für eine solche Weisung.

Neben den militärischen Folgen wird auch über die Auswirkungen auf palästinensische Anwohner gestritten.

Nach Angaben der IDF verließen zwei beduinische Familien ihre provisorischen Unterkünfte in dem betroffenen Gebiet.

Die Armee erklärte, sie habe Kontakt zu den Familien aufgenommen und Unterstützung angeboten, damit sie nicht wegziehen müssten. Die Familien hätten sich dennoch für das Verlassen ihrer Unterkünfte entschieden.

Zugleich kündigte die IDF an, dafür zu sorgen, dass niemand die verlassenen Gebäude widerrechtlich in Besitz nimmt.

Andere Berichte zeichnen ein belastenderes Bild.

Palästinensische Bewohner erklärten gegenüber derTimes of Israel, der Zugang zu ihren Häusern und landwirtschaftlichen Flächen sei nach dem Einzug der israelischen Familien eingeschränkt worden. Einige hätten aus Angst vor möglichen Übergriffen ihre Häuser verlassen.

Menschenrechtsorganisationen berichteten ebenfalls über Vertreibungsängste und gewaltsame Zwischenfälle.

Ob die betroffenen Familien freiwillig aus Sicherheitsbedenken wegzogen oder sich durch die Situation faktisch zum Verlassen ihrer Unterkünfte gezwungen sahen, ist damit umstritten.

Die Aussagen der Betroffenen müssen ebenso ernst genommen werden wie die Erklärung der israelischen Armee.

Fest steht, dass die IDF nun nicht nur die israelischen Familien schützen, sondern auch die Sicherheit und die Rechte der übrigen Bewohner gewährleisten muss.

Darin liegt eine besondere Verantwortung des israelischen Staates.

Israel besitzt in Gebiet C umfassende Verwaltungs- und Sicherheitsbefugnisse. Entscheidungen über die Genehmigung neuer Wohnstandorte und die Nutzung staatlicher Flächen müssen deshalb durch die zuständigen Behörden getroffen werden.

Einzelne Organisationen können diese Entscheidungen nicht allein dadurch ersetzen, dass sie Familien in Gebäude einziehen lassen und anschließend den Schutz der Armee beanspruchen.

Die politischen Vorstellungen der Siedlungsbewegung über die Zukunft Judäas und Samarias sind Gegenstand einer legitimen öffentlichen Debatte. Die Frage, welche Gebiete dauerhaft unter israelischer Souveränität stehen sollen, wird innerhalb Israels seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.

Davon zu unterscheiden ist das Recht einzelner Gruppen, ohne eine abschließend geklärte Genehmigung neue Fakten zu schaffen.

Genauso wenig darf der Streit über einen Außenposten die Notwendigkeit relativieren, israelische Bürger vor palästinensischem Terror zu schützen.

Die IDF muss in Judäa und Samaria täglich Anschläge verhindern, bewaffnete TerrorzellenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen bekämpfen und die Sicherheit israelischer Gemeinden gewährleisten.

Zusätzliche Konflikte um nicht genehmigte Wohnstandorte erschweren diesen Auftrag, wenn dafür Soldaten von anderen Aufgaben abgezogen werden müssen.

Der aktuelle Fall zeigt außerdem, weshalb klare militärische Zuständigkeiten notwendig sind.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Bluth bestätigen, müsste geklärt werden, weshalb andere Offiziere angeblich nicht informiert wurden und welche Verantwortung die militärische Führung für die Vorbereitung der Aktion trug.

Sollten die Vorwürfe dagegen unbegründet sein, wäre ebenso wichtig, die tatsächlichen Abläufe transparent darzustellen, um das Vertrauen in die Befehlskette nicht durch unbewiesene Anschuldigungen zu beschädigen.

Die bisher veröffentlichten Informationen erlauben keine abschließende Entscheidung.

Bestätigt ist das Treffen zwischen Generalmajor Bluth und dem regionalen Verteidigungsoffizier. Nicht bestätigt ist der Vorwurf, der General habe den Einzug der Familien heimlich unterstützt oder andere Kommandeure bewusst ausgeschlossen.

Die acht Gebäude bei Jericho bleiben unterdessen Gegenstand einer rechtlichen und sicherheitspolitischen Prüfung.

Damit liegt der eigentliche Konflikt inzwischen auf zwei Ebenen: Die Behörden müssen klären, ob der neue Wohnstandort rechtmäßig eingerichtet wurde. Zugleich muss nachvollziehbar werden, wer innerhalb der militärischen Führung wann über die Aktion informiert war.

Für Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen ist beides von Bedeutung. Denn der Schutz seiner Bürger und die Bekämpfung palästinensischen Terrors erfordern eine Armee, deren Kräfte nicht unnötig gebunden werden und deren Befehlswege auch bei politisch umstrittenen Vorhaben eindeutig bleiben.




Autor: Redaktion
Sonntag, 08 November 2026

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