Mehr als 220 Rabbiner warnen vor Ausgrenzung jüdischer Wähler durch US-Demokraten

Mehr als 220 Rabbiner warnen vor Ausgrenzung jüdischer Wähler durch US-Demokraten


Kurz vor der US-Senatswahl verlangen liberale und progressive Rabbiner klare Zusagen von Abdul El-Sayed. Sie werfen dem demokratischen Kandidaten vor, mit seiner Israel-Rhetorik antisemitische Ressentiments zu bedienen. Auch Barack Obama wird zum Eingreifen aufgefordert.

Mehr als 220 Rabbiner warnen vor Ausgrenzung jüdischer Wähler durch US-Demokraten
Bildnachweis: Conlan Houston / Quelle / CC BY-SA 4.0

Mehr als 220 liberale und progressive Rabbiner aus 34 US-Bundesstaaten haben den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed aufgefordert, sich unmissverständlich zur Sicherheit jüdischer Amerikaner und zur politischen Gleichberechtigung zionistischer Juden zu bekennen. In einem offenen Brief kritisieren sie eine wiederkehrende Diskrepanz zwischen El-Sayeds öffentlichen Versicherungen gegenüber jüdischen Wählern und seinen Äußerungen über IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen.

Der Protest ist besonders bemerkenswert, weil er nicht aus dem republikanischen Lager kommt. Die Unterzeichner gehören überwiegend dem liberalen und progressiven jüdischen Spektrum an. Viele betrachten die Demokratische Partei als ihre politische Heimat.

Die Rabbiner unterstützen die Initiative „Nonnegotiable Michigan“, die bereits im September fünf grundlegende Forderungen formuliert hatte: Sicherheit für alle Juden einschließlich Zionisten, jüdische Selbstbestimmung in IsraelExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen, das Recht auf eine selbst definierte jüdische Identität, uneingeschränkte politische Teilhabe und eine Friedensperspektive, die sowohl Israelis als auch PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen berücksichtigt.

Auslöser der erneuten Intervention sind Äußerungen El-Sayeds, die nach Ansicht der Unterzeichner antisemitische Vorstellungen aufgreifen. Sie werfen ihm vor, Israelis als blutrünstig bezeichnet, amerikanische Unterstützung für Israel mit gekaufter Loyalität in Verbindung gebracht und Israel als Ursache amerikanischer Kriegsbeteiligungen dargestellt zu haben.

Diese Aussagen werden im offenen Brief als Vorwürfe gegen den Kandidaten angeführt. Eine unabhängige Prüfung sämtlicher ursprünglicher Äußerungen und ihres vollständigen Zusammenhangs liegt damit nicht vor.

Die Kritik geht über unterschiedliche Positionen zur israelischen Regierung hinaus. Die Rabbiner sehen die Gefahr, dass jüdische Amerikaner für außenpolitische Konflikte verantwortlich gemacht werden und ihre Zugehörigkeit zur demokratischen Bewegung zunehmend von ihrer Haltung zu Israel abhängig wird.

Besonders deutlich wenden sie sich gegen die Vorstellung, Juden müssten ihre Verbundenheit mit Israel aufgeben, um innerhalb der Demokratischen Partei uneingeschränkt akzeptiert zu werden.

Der offene Brief wurde vor einem Wahlkampfauftritt des früheren US-Präsidenten Barack Obama veröffentlicht. Obama trat am Samstag in Detroit gemeinsam mit El-Sayed auf und unterstützte dessen Kandidatur.

Die Rabbiner forderten den ehemaligen Präsidenten auf, seine politische Autorität zu nutzen, um die Zugehörigkeit zionistischer Juden zur demokratischen Wählergemeinschaft ausdrücklich zu bekräftigen.

Obama lobte El-Sayed bei der Veranstaltung, ging nach den vorliegenden Berichten jedoch nicht auf die Forderungen der Rabbiner ein.

Der Konflikt schwelt bereits seit Wochen. Im September hatten jüdische Religionsvertreter und Gemeindemitglieder in Michigan die Initiative gestartet. Später schlossen sich demokratische Mandatsträger und jüdische Studierende an. Nach Darstellung der Organisatoren blieben wiederholte Bitten um einen direkten Austausch mit El-Sayed unbeantwortet.

Die Initiative verlangt keine bedingungslose Unterstützung der israelischen Regierung. Sie stellt vielmehr die Frage, ob jüdische Amerikaner unabhängig von ihrer zionistischen Überzeugung als gleichberechtigte Mitglieder einer politischen Bewegung behandelt werden.

Der Streit zeigt, wie tief die Auseinandersetzung über Israel inzwischen in die amerikanische Demokratische Partei hineinreicht.Wenn mehr als 220 progressive Rabbiner öffentlich um die politische Zugehörigkeit und Sicherheit jüdischer Wähler kämpfen, geht es längst nicht mehr nur um unterschiedliche außenpolitische Positionen.

El-Sayed und Obama beantworteten entsprechende Anfragen derJerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Postbis zur Veröffentlichung des Berichts nicht.




Autor: Redaktion
Montag, 26 Oktober 2026

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