Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen

Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen


Ein ehemaliger französischer Premierminister spricht aus, was in Europa kaum noch jemand offen sagt. In Jerusalem zieht Manuel Valls eine klare Linie zwischen Israels Überleben und der Zukunft Europas und rechnet mit der politischen Blindheit seiner eigenen Heimat ab.

Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen
Bildnachweis: © European Union, 2026 / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Es sind Sätze, die in europäischen Hauptstädten fast provokativ wirken. Sätze, die man dort kaum noch hört, geschweige denn ausspricht. „Wenn IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen fällt, fallen wir“, sagt Manuel Valls in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Kein rhetorischer Effekt, keine Dramatisierung. Sondern eine nüchterne politische Diagnose. Für Valls entscheidet sich in Israel nicht nur das Schicksal eines Staates, sondern die Zukunft des Westens selbst.

Der frühere französische Premierminister, seit Jahrzehnten ein erklärter Freund Israels, hält sich derzeit in Jerusalem auf. Er trifft Vertreter der israelischen Politik, unter anderem den Vorsitzenden der Knesset, und spricht offen über das, was er als strategisches Versagen Europas bezeichnet. Der Kampf gegen den politischen Islam, die Bedrohung durch das iranische Mullah Regime, die wachsende Achse zwischen Teheran und Moskau und die innere Stabilität Europas seien untrennbar mit Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen verbunden.

Israel als Frontlinie Europas

Valls formuliert es ohne Umschweife. Die großen Fragen unserer Zeit werden hier entschieden, im Land IsraelZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen. Wer so spricht, widerspricht bewusst dem in Europa verbreiteten Reflex, Israel als regionales Problem zu behandeln, das man moralisch belehren könne. Für Valls ist Israel keine Belastung, sondern eine Bastion.

Seine Haltung kommt nicht aus religiöser Nähe. Valls ist kein Jude. Er betont das ausdrücklich. Sein Engagement für Israel sei politisch, historisch und zutiefst republikanisch geprägt. Gerade aus einer linken Tradition heraus, sagt er, sei die Unterstützung Israels logisch. Er erinnert an die engen Beziehungen zwischen Israel und der französischen Linken, an Persönlichkeiten wie Golda Meir, Jitzchak Rabin, Schimon Peres und François Mitterrand. Dass diese Geschichte heute kaum noch erwähnt wird, hält er für einen politischen Fehler.

Antisemitismus heute heißt Israelhass

Besonders scharf geht Valls mit dem Umgang Europas mit AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen ins Gericht. Viele politische Entscheidungsträger hätten nicht verstanden, dass sich JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen grundlegend verändert habe. Die historischen Formen des Antisemitismus, von der Dreyfus Affäre bis zur Schoa, seien real und müssten weiter vermittelt werden. Doch der heutige Antisemitismus äußere sich vor allem als Hass auf IsraelIsraelbezogener Antisemitismus: Wenn Israelhass Judenhass wirdIsraelbezogener Antisemitismus liegt vor, wenn Feindschaft gegen Juden auf Israel übertragen wird. Kritik an israelischer Politik ist nicht automatisch antisemitisch. Antisemitisch wird sie, wenn Israel dämonisiert, delegitimiert, mit doppelten Maßstäben behandelt oder Juden weltweit für Israel verantwortlich gemacht werden.Mehr lesen.

Für Valls ist diese Verbindung zentral. Wer Antisemitismus bekämpfen wolle, müsse Israel verteidigen. Alles andere sei Selbstbetrug. Genau hier gerät er in offenen Widerspruch zur Politik von Emmanuel Macron, dem er vorwirft, diese Realität zu verkennen.

Der frühere Premier spricht auch über eine unbequeme Wahrheit in Frankreich. Innerhalb der muslimischen Bevölkerung gebe es eine Minderheit, die offenen Judenhass äußere. Diese Minderheit sei nicht repräsentativ, aber laut, organisiert und gefährlich. Der Islamismus bedrohe nicht nur jüdisches Leben, sondern die Republik selbst. Frankreich ohne Juden, sagt Valls, wäre nicht mehr Frankreich. Jüdisches Leben sei untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden.

Die neue Rolle der politischen Extreme

Besonders deutlich wird Valls, wenn er über die französische Innenpolitik spricht. Die linkspopulistische Partei La France Insoumise habe Antisemitismus zu einem politischen Geschäftsmodell gemacht. Für Stimmen, für Mobilisierung, für ideologische Reinheit. Er sieht darin heute eine größere Gefahr als im rechtspopulistischen Rassemblement National, dessen Geschichte zwar belastet sei, das sich jedoch offen gegen Antisemitismus positioniere.

Valls verweist auf eine Demonstration gegen Antisemitismus im November 2023. Die radikale Linke blieb fern. Die extreme Rechte war anwesend. Für ihn markiert das einen tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Wandel. Einen Bruch, der vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Klare Absage an vorschnelle Palästina Anerkennung

Auch außenpolitisch widerspricht Valls der aktuellen Linie Frankreichs. Die Anerkennung eines palästinensischen Staates im Jahr 2025 hält er für einen schweren Fehler. Er habe den Präsidenten davor gewarnt, sagt er offen. Diese Haltung habe ihn möglicherweise sogar sein Ministeramt gekostet.

Eine Lösung für die Palästinenser sei notwendig, betont Valls. Aber nicht losgelöst von der Realität nach dem 7. Oktober. Wer heute einen palästinensischen Staat anerkenne, ohne die Rolle der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen zu berücksichtigen, sende ein fatales Signal. Es erwecke den Eindruck, als werde islamistischer Terror legitimiert. Das lehnt er entschieden ab.

Valls bleibt Anhänger einer Zwei Staaten Lösung, aber nur unter klaren Bedingungen. Keine Hamas. Sicherheit für Israel als Voraussetzung. Eine grundlegende Veränderung der politischen Kultur und Bildung auf palästinensischer Seite. Und eine klare Konfrontation mit dem iranischen Regime.

Ein europäischer Realist in Jerusalem

Manuel Valls spricht in Jerusalem nicht als Diplomat, sondern als politischer Realist. Er fordert Europa auf, sich von überholten Formeln zu lösen und die tiefgreifenden Veränderungen im Nahen Osten endlich zur Kenntnis zu nehmen. Wer Israels Sicherheit relativiere, schwäche nicht nur Israel, sondern die eigene demokratische Ordnung.

Seine Botschaft ist unbequem, gerade deshalb ist sie relevant. Israel ist für ihn kein moralisches Projekt, sondern eine strategische Notwendigkeit. Wer das nicht versteht, riskiert mehr als einen außenpolitischen Irrtum. Er riskiert die Zukunft des Westens.




Autor: Redaktion
Freitag, 16 Januar 2026

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