75 antiisraelische Proteste am 7. Oktober , 14 davon in Deutschland75 antiisraelische Proteste am 7. Oktober , 14 davon in Deutschland
Ausgerechnet am dritten Jahrestag des Hamas-Massakers werden weltweit mindestens 75 pro-palästinensische und antiisraelische Veranstaltungen erwartet. Ein neuer Bericht des israelischen Diaspora-Ministeriums stuft zahlreiche Termine als Sicherheitsrisiko ein. Auch Berlin und Frankfurt stehen im Fokus.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Drei Jahre nach dem Massaker der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen wird der 7. Oktober weltweit nicht nur ein Tag des Gedenkens sein. Während Angehörige, jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen und Unterstützer Israels an mehr als 1.200 Ermordete und 251 Verschleppte erinnern, mobilisieren antiisraelische Gruppen am selben Datum zu mindestens 75 Protestveranstaltungen.
Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Auswertung des israelischen Ministeriums für DiasporaDiaspora: Jüdisches Leben außerhalb IsraelsDiaspora bezeichnet die Zerstreuung eines Volkes außerhalb seiner historischen Heimat. In jüdischem Zusammenhang meint der Begriff besonders die jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels. Die jüdische Diaspora entstand durch Exil, Vertreibung, Migration und jahrhundertelanges Leben als Minderheit.Mehr lesen-Angelegenheiten und die Bekämpfung des AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Die Behörde hat für den Zeitraum vom 1. bis 14. Oktober insgesamt 262 pro-palästinensische DemonstrationenNeturei Karta: Die winzige jüdische Randgruppe gegen IsraelNeturei Karta ist eine kleine ultraorthodoxe antizionistische Gruppe. Schätzungen sprechen von etwa 5.000 Anhängern, während laut ADL weniger als 100 aktiv antiisraelisch auftreten.Mehr lesen und antiisraelische Veranstaltungen in 37 Staaten erfasst. 75 davon sollen unmittelbar am 7. Oktober stattfinden.
Damit fällt fast jede dritte registrierte Veranstaltung des untersuchten Zeitraums auf den Jahrestag des Hamas-Terrors.
Besonders auffällig ist auch Deutschland. Das Ministerium zählt hier 14 Veranstaltungen. Damit liegt die Bundesrepublik gemeinsam mit Kanada hinter den USA, Spanien, Australien, Großbritannien und Italien bereits in der nächsten Gruppe der Länder mit besonders hoher Mobilisierung.
Die meisten Veranstaltungen wurden für die USA mit 45 erfasst, gefolgt von Spanien mit 40, Australien mit 21, Großbritannien mit 19 und Italien mit 16. Frankreich kommt auf zehn, die Niederlande auf acht.
Noch größer wird die Protestwelle am Wochenende nach dem Jahrestag. Für den 10. und 11. Oktober registrierte das Ministerium insgesamt 121 Veranstaltungen. Allein am Samstag, dem 10. Oktober, sollen es 96 sein.
Fast jede dritte Veranstaltung gilt als erhöhtes Risiko
Problematisch ist nicht allein die Zahl.
Von den 262 erfassten Veranstaltungen werden 87, also rund ein Drittel, vom israelischen Ministerium mit einem mittleren oder hohen Sicherheitsrisiko bewertet. Unter den ausdrücklich genannten Hochrisiko-Schwerpunkten befindet sich auch Berlin.
Weitere Hochrisiko-Orte wurden unter anderem in London, Paris, Amsterdam, Barcelona, Istanbul, Bogotá, Bangkok und Santiago festgestellt. Kanada fällt mit vier Veranstaltungen der höchsten Risikokategorie besonders auf. In Griechenland, Italien, den USA und Australien wurden jeweils zwei Veranstaltungen als Hochrisiko-Ereignisse eingeordnet.
Die Sorge richtet sich außerdem auf die räumliche Nähe zu israelischen Einrichtungen. 45 der registrierten Proteste sollen in der Nähe israelischer Botschaften, Konsulate oder anderer mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen verbundener Objekte stattfinden. 30 davon liegen höchstens 2,5 Kilometer von einem solchen Ziel entfernt.
Diese Nähe ist sicherheitspolitisch relevant: Nach der Auswertung des Berichts ist der Anteil von Veranstaltungen mit mittlerem oder hohem Risiko im Umfeld israelischer Einrichtungen deutlich größer als im Gesamtdatensatz.
Für Deutschland nennt der Bericht ausdrücklich Frankfurt. Dort soll eine Veranstaltung lediglich rund 370 Meter von einem Hotel entfernt stattfinden, das von israelischen Gästen genutzt wird.
Das ist gerade vor dem Hintergrund der vergangenen Jahre keine nebensächliche Information. Israelische und jüdische Einrichtungen benötigen weltweit seit langem besondere Sicherheitsmaßnahmen. Seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen hat sich die Bedrohungslage weiter verschärft.
Berlin: Polizei prüft Mobilisierung am Jahrestag
Wie konkret die Situation in Deutschland ist, zeigt Berlin.
Für den 7. Oktober ist dort unter anderem eine Demonstration unter dem Motto „Down with Colonialism!“ angemeldet. Der geplante Zug soll am Abend vom Schlesischen Tor über Kreuzberg bis zum Hermannplatz führen.
Nach Medienberichten beschäftigt sich das Berliner Landeskriminalamt zugleich mit einem im Internet verbreiteten Mobilisierungsaufruf, in dem der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 offenbar positiv dargestellt wird. Besonders brisant ist dabei die Verwendung eines Planierraupen-Motivs. Solche Fahrzeuge wurden von Hamas-Terroristen beim Durchbruch der israelischen Grenzanlagen am Morgen des Massakers eingesetzt.
Die Behörden prüfen nach Medienberichten unter anderem den Verdacht einer möglichen Gewaltverherrlichung. Dabei ist allerdings sauber zu unterscheiden: Bislang ist nicht abschließend geklärt, ob der Urheber dieses konkreten Online-Aufrufs mit dem offiziellen Anmelder der Berliner Demonstration identisch ist.
Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Nicht jede pro-palästinensische Demonstration und nicht jeder Teilnehmer kann pauschal einer Terrororganisation zugerechnet werden. Ebenso falsch wäre es jedoch, dokumentierte Gewaltverherrlichung oder eine positive Bezugnahme auf den 7. Oktober unter dem allgemeinen Etikett „PalästinaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Solidarität“ zu verharmlosen.
haOlam berichtete bereits mehrfach über diese Entwicklung. In Berlin werden nach Angaben der Senatsverwaltung rund 200 Personen dem Hamas-Umfeld zugerechnet, weitere etwa 30 dem Umfeld der PFLPPFLP: Marxistische Terrororganisation gegen IsraelDie PFLP ist eine 1967 gegründete marxistisch leninistische palästinensische Organisation. Sie lehnt Israel ab, setzt auf bewaffneten Kampf und wird von den USA und der EU als Terrororganisation geführt.Mehr lesen. Auch bei früheren antiisraelischen Demonstrationen wurden Terrorverherrlichung, Vernichtungsrhetorik und antisemitische Parolen dokumentiert.
In Frankfurt zeigte sich im vergangenen Jahr dasselbe Problem besonders deutlich. Ausgerechnet für den 7. Oktober war eine Veranstaltung geplant, deren Aufruf von „Märtyrern“ sprach. Die Stadt versuchte zunächst, die Demonstration zu untersagen. Später wurden bei vergleichbaren Mobilisierungen erneut Parolen verbreitet, die bewaffnete Gewalt gegen Israel als „Widerstand“ rechtfertigten.
Der neue Bericht zeigt deshalb keine abstrakte Gefahr weit entfernt von Deutschland. Er beschreibt eine Mobilisierung, deren deutsche Schauplätze bereits aus früheren Auseinandersetzungen bekannt sind.
Bemerkenswert ist zugleich der Kontrast in Berlin: Während antiisraelische Gruppen auf die Straße gehen wollen, wird am Brandenburger Tor am Abend des 7. Oktober die israelische Flagge projiziert. Berlin erinnert damit offiziell an das Hamas-Massaker und setzt ein Zeichen der Solidarität mit Israel.
Der Tag selbst ist Teil der Botschaft
Die politische Brisanz dieser Protestwelle liegt nicht allein in einzelnen Parolen oder Veranstaltern. Sie liegt bereits in der bewussten Wahl des Datums.
Der 7. Oktober ist der Jahrestag eines Massakers, bei dem Hamas-Terroristen und weitere Angreifer in israelische Ortschaften eindrangen, Menschen in ihren Häusern ermordeten, Besucher des Nova-Festivals abschlachteten und Hunderte Geiseln nach Gaza verschleppten.
Wer ausgerechnet diesen Tag für eine Mobilisierung gegen Israel nutzt, muss sich deshalb die Frage gefallen lassen, warum nicht die Opfer des Terrorangriffs im Mittelpunkt stehen, sondern erneut der jüdische Staat angeklagt wird.
Das israelische Ministerium behauptet in seinem Bericht nicht, dass Hamas oder PFLP die 262 registrierten Veranstaltungen insgesamt organisieren. Eine solche pauschale Behauptung wäre nicht belegt. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post hat jedoch zusätzlich die hinter einzelnen Veranstaltungen stehenden Netzwerke untersucht und verweist bei mehreren Organisationen auf dokumentierte Verbindungen, gemeinsame Aktivitäten oder ideologische Überschneidungen mit radikalen palästinensischen Strukturen.
Das betrifft insbesondere internationale Aktivistennetzwerke, deren Vertreter wiederholt gemeinsam mit Personen aus dem Umfeld der PFLP oder Samidoun aufgetreten sind. Gerade deshalb sind pauschale Beschwichtigungen ebenso wenig angebracht wie pauschale Schuldzuweisungen.
Der Bericht zeichnet vielmehr ein Bild, das auch ohne Übertreibung alarmierend ist: 262 Veranstaltungen in 37 Ländern, 87 davon mit mittlerem oder hohem Risiko, Dutzende in unmittelbarer Nähe israelischer Einrichtungen und mindestens 75 Veranstaltungen unmittelbar am Jahrestag des größten Massakers an Juden seit der ShoahShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen.
Am 7. Oktober 2026 wird deshalb nicht nur darum gerungen, wie an die Opfer erinnert wird. Es wird auch darum gerungen, ob der Tag selbst umgedeutet werden kann. Wer das Hamas-Massaker aus seiner eigenen Vorgeschichte verdrängt und den Jahrestag stattdessen zur Anklage gegen Israel macht, verschiebt Täter und Opfer genau an jenem Datum, an dem diese Unterscheidung eigentlich besonders klar sein müsste.
Autor: Redaktion
Dienstag, 06 Oktober 2026