Große Koalition: Die Ayatollahflüsterer

Große Koalition:

Die Ayatollahflüsterer




CDU/CSU und SPD haben angekündigt, in den nächsten vier Jahren eine Außenpolitik zu betreiben, die das Teheraner Regime „Vertrauen“ schöpfen lässt.

Von Stefan Frank

Deutschland ist keine Supermacht. Die Regierung muss nicht jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt ein Sack Bulgur umfällt, einen Kommentar abgeben. Wie schön, wenn sie das nicht täte. Wenn das Auswärtige Amt ein Ort des Schweigens wäre, statt bloß ein verschwiegenes Örtchen. Wenn im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD kein Wort über Außenpolitik stünde, allerhöchstens der Satz: „Die Bundesregierung wird sich um etwaig entstehende, Deutschland betreffende Probleme im Ausland kümmern, so wie es die Lage erfordert.“ Das würde reichen. Schluss mit den Masterplänen, an denen die Welt genesen soll. Aber so bescheiden sind Politiker nicht; sie kennen die Zukunft und wissen, was gut für andere Völker ist. Da sie ihre Erlösungspläne in einen sogenannten „Koalitionsvertrag“ schreiben, sollte man sich den mal anschauen, um zu wissen, was droht.

Wichtige Impulse für eine humanere EU sucht man vergebens. Kein Wort dazu, wie Viviane Reding umweltverträglich entsorgt werden kann. Aber den Beziehungen zum Morgenland ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Israel und Judäa/Samaria betreffend natürlich das bekannte Blabla: „Unser Ziel ist eine Zweistaaten-Lösung“. Was aber bedeutet das: „Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels sind für uns nicht verhandelbar“? Das heißt doch, dass sich diese größenwahnsinnige Regierung eine zukünftige Konferenz vorstellen kann, bei der sie mit Israels Feinden über die Zukunft des Landes verhandelt – und sie es ist, die festlegt, was „verhandelbar“ ist und was nicht. Wie gütig, dass diesmal anders als im Falle der Tschechoslowakei 1938 nicht an die Einsetzung eines Reichsprotektors gedacht ist, sondern CDU/CSU und SPD beschlossen haben, dass Israel sein „Existenzrecht“ behalten darf! Da werden die Israelis erleichtert sein.

Wenige Zeilen tiefer heißt es dann Manege frei für die Ayatollahs: „Unser Ziel ist die Rückgewinnung des Iran als vertrauensvoller Partner auf der internationalen Bühne“. Vertrauensvoll also. Es ist von Bedeutung, dass hier nicht das Wort steht, das man erwarten würde: vertrauenswürdig. Der Iran soll nicht zu einem vertrauenswürdigen Partner werden – würdig unseres Vertrauens -, sondern zu einem vertrauensvollen, d.h. die Ayatollahs sollen Vertrauen haben. Das Vertrauen, dass Steinmeier ihnen nichts tut – wo sie doch so sensibel sind. Es handelt sich bei dem Wort um einen Fehlgriff, aber nicht um ein Versehen. Die Koalitionsdealer haben mit Absicht nicht „vertrauenswürdig“, sondern „vertrauensvoll“ geschrieben.

Wenn die neue Bundesregierung will, dass die Mord- und Totschlagayatollahs „vertrauensvoll“ werden, dann verharmlost sie das Regime nicht nur, sondern fördert eine – geradezu rassistische – Denkweise, die Islamisten oder Moslems im Allgemeinen nicht als Menschen betrachtet, sondern als ängstliche Tiere, die man streicheln müsse, damit sie einen nicht angreifen – und die man keinesfalls „provozieren“ dürfe (jede Art der Kritik ist für sie ein rotes Tuch). Eine Übertreibung? Oh nein. Das hier steht auf der Seite www.ausgeglichenerhund.de:

„Möchten Sie Ihren Hund als motivierten Partner kennen lernen? Möchten Sie, dass er gerne auf Ihre Signale reagiert, Sie respektiert und Ihnen vertrauensvoll folgt?“

Ersetzen Sie bitte „Ihren Hund“ durch „Iran“, und Sie haben die Grundzüge deutscher Außenpolitik. Auf der Website eines polnischen Zoos ist zu lesen:

„Ein bedrohter Ayatollah spuckt seinen Gegner an. Um das zu vermeiden, sollte man seine Stimmung beobachten, die man unter anderem an der Stellung der Ohren ablesen kann: nach vorne gestellte Ohren zeigen Neugier an, gespitzte Ohren Wachsamkeit und nach hinten gestellte Ohren sollten Sie davor warnen, dass der Ayatollah sie gleich anspucken kann.“

Ich habe geflunkert, in Wahrheit ist von Lamas die Rede. Die Parallelen sind nicht zu leugnen. Es wird so getan, als ginge es bei Khamenei und seinen Komplizen nicht um Menschen, die mit grausamen Mitteln verbrecherische Ziele verfolgen, sondern um harmlose Fluchttiere, die man zutraulich machen und domestizieren könne.

Der beliebte Sozialdemokrat Rolf Mützenich hat angeregt, dass Abgeordnete des Bundestages wedelnd „auf iranische Parlamentarier zugehen“ sollten, um sie von “der wichtigen Initiative“ (Genf) „zu überzeugen”. Hat ihm noch keiner gesagt, dass der Iran keine Demokratie ist und die iranischen Parlamentarier keine Demokraten? Ebenso könnte Mützenich versuchen, mit Teherans Mutantenratten ins Geschäft zu kommen. Die sind sogar wesentlich vertrauenswürdiger: Anders als die Teheraner Parlamentarier haben die Mutantenratten kein Gesetz verabschiedet, das den Abfall vom Glauben mit dem Tod bestraft.

Jede Regierung der Welt muss sich entscheiden, ob sie sich auf die Seite der um ihre Freiheit kämpfenden iranischen Bevölkerung stellt („Hardliner“, pflegen Journalisten solche Käuze zu nennen; wie die Steinkäuze gehören sie zu einer bedrohten Art) oder auf die des Ayatollahregimes. Die künftige Bundesregierung hat eine schlechte Wahl getroffen. Das Wort „Freiheit“ fällt im Koalitionsvertrag nicht weniger als 49mal – aber nicht im Zusammenhang mit dem Iran.

 

Spirit of Entebbe - Foto: Unterzeichnung des Koalitionsvertrages durch Merkel (CDU), Seehofer (CSU) und Gabriel (SPD) (Foto: von Cducsu (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)

 

Lesen Sie hierzu auch:

 

haOlam.de - Interaktiv und zum mitgestalten

haOlam.de - die `Gefällt mir´-Seite bei Facebook - immer ich Echtzeit informiert werden, wenn neue Artikel und Meldungen bei haOlam.de online erscheinen

haOlam.de - Dein Magazin - die Facebook-Gruppe zum diskutieren der Artikel und zum vorschlagen von Themen und Artikeln für haOlam.de - und zum diskutieren rund um haOlam.de und die Themengebiete des Magazins.


Autor: fischerde
Bild Quelle:


Mittwoch, 11 Dezember 2013