Die Lehre aus Paris: Kriegserklärung an die zivilisierte freie Welt

Die Lehre aus Paris:

Kriegserklärung an die zivilisierte freie Welt


Zu den größten Erfolgen der Jihadisten gehört es, einen Angriffskrieg gegen die freie und zivilisierte Welt zu führen - und die Angegriffen stecken den Kopf in den Sand und weigern sich, diese Realität zu sehen und entsprechend zu reagieren.

von Dr. Matthias Küntzel

Letzte Nacht (der Artikel wurde am 14.12.2015 geschrieben, Anm. haOlam.de) erlebte Paris den größten koordinierten Angriff von Selbstmordattentätern seit 9/11. Sieben der acht Täter sprengten sich selbst in die Luft, einer wurde von der Polizei getötet. Es war der bisher brutalste islamistische Angriff auf europäischem Boden. Er richtete sich gegen alle, die das Leben an einem Freitagabend zu genießen suchten: Gegen Musikfans, gegen Fußballfans, gegen Bar- und Restaurantbesucher. Die Mordorgie, an sechs Standorten gleichzeitig durchgeführt, kostete weit mehr als 120 Menschen das Leben…

Von Matthias Küntzel

Hinter dem scheinbar so Sinnlosen steckt eine klares Konzept, das Ayman al Zawahiri, der Führer von al-Qaida so umschrieb: „Selbstmordattentate bringen dem Feind das größtmögliche Grauen bei relativ geringen Verlusten für die Islamistische Bewegung.“ Am besten seien Anschläge, die möglichst viele Zivilisten töten: „Das verbreitet bei den Völkern des Westens den größten Schrecken. Das ist die Sprache, die sie verstehen.“

Das Grauen beginnt schon mit dem Selbstmordattentäter selbst, der in sich den Instinkt abtötet, der eigentlich allen Menschen gemeinsam ist: den Überlebensinstinkt. Wer aber entschlossen ist, sein Leben zu opfern, lässt sich durch nichts abschrecken und ist zu jedem Verbrechen bereit. Deshalb ist das Selbstmordattentat die schlimmste Bedrohung der freien Welt: Es nötigt uns, entweder die Freiheit zu opfern, um Sicherheit zu schaffen oder in Unsicherheit und Angst zu leben.

Der islamistisch motivierte Selbstmordattentäter ist aber eine historisch relativ neue Figur. Vor vierzig Jahren hat es ihn noch nicht gegeben.

Von 1979 bis 1989 führten die Islamisten, unterstützt von den USA, ihren Krieg gegen die Sowjets in Afghanistan. In diesem Zeitraum fand kein einziges Selbstmordattentat statt. Warum? Weil diese Form des Attentats den Geboten des Korans in mehrfacher Hinsicht widerspricht: Erstens verbietet der Islam das Menschenopfer für Gott, zweitens ist die Selbsttötung strikt untersagt und drittens ist die Tötung von Unschuldigen, die sich zufällig am Ort des Massakers aufhalten, verboten. „Begeht nicht Selbstmord“, heißt es etwa in Sure 4, Vers 29 des Koran. „Wer dieses tut (…), den werden Wir brennen lassen im Feuer.“

Gewiss: Es finden sich im Koran zahllose Verse, die die Gläubigen aufrufen, nicht das diesseitige Leben, sondern allein das „jenseitige“ zu lieben. Darauf aufbauend entwickelten die 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbrüder ihren Märtyrerkult: Für sie war und ist „der Tod für die Sache Gottes ihr erhabenster Wunsch.“ Und doch war ihr Aufruf, den Tod im Zuge des Djihad gegen Ungläubige nicht zu fürchten, von der heutigen Praxis des suizidalen M assenmords, bei dem die Täterin und der Täter den Selbstmord willentlich vorbereiten, weit entfernt.

Es bedurfte der Beihilfe der islamistischen Schiiten, um die Kluft zwischen Märtyrerverherrlichung und Selbstmord-Kultur zu schließen.

1982, im Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, schickte Irans Revolutionsführer Khomeini erstmals Tausende iranischer Kinder in den sicheren Tod: Er veranlasste sie, die Minenfelder mit ihren jungen Körpern zu räumen, um, so die Propaganda, ins Paradies zu kommen.

Im November 1982 kopierte der 15-jährige Schiit Ahmad Qusayr erstmals diese Methode und sprengte in der libanesischen Stadt Tyros sich selbst und einige Israelis in die Luft. Khomeini erklärte Qusayr zum „Helden des Islam“ und ließ ihm in Teheran ein Denkmal errichten: Das Kampfmittel des suizidalen Massenmords war geboren.

Bis heute wird es von den Radikalen in Teheran propagiert: „We have identified centers in America [for attack] that will create a shock“, erklärte letztes Jahr Brigadegeneral Hossein Salami von den Revolutionären Garden. „We will conduct such a blow in which they [America] will be destroyed from within.“

Es vergingen mehr als zehn Jahre, bevor auch die sunnitischen Islamisten ihre religiös bedingten Skrupel überwanden und dem Beispiel Ahmad Qusayrs folgten: 1993 starteten die Al-Qassam-Brigaden der Hamas ihre erste Selbstmord-Operation. Obwohl theologisch weiterhin umstritten setzte sich dieses Kampfmittel einige Jahre später, im Zuge der zweiten Intifada, durch.

Erleben wir jetzt, nach dem Massaker von Paris, einen Wendepunkt?

Es besteht kein Zweifel, dass der künftige Zustand unserer Gesellschaften davon abhängen wird, ob dieser todeswütige Fanatismus zurückgedrängt und beseitigt werden kann, oder nicht.

Will man die Methode des Selbstmordattentats ausrotten, muss die internationale Gemeinschaft jede erdenkliche Maßnahme ergreifen, um dieses Kampfmittel als ein Verbrechen gegen die Menschheit zu ächten und diese Ächtung durch Isolierung und Bestrafung derer, die es weiter propagieren, durchzusetzen.

Dies geschah nach dem 11. September 2001 gerade nicht. Bereits am 14. September 2001 warnte der französische Botschafter in Israel, Jacques Huntzinger, öffentlich davor, den Terroranschlag auf die USA mit den Selbstmordattentaten der Hamas auf eine Stufe zu stellen, da die Kontexte gänzlich unterschiedlich seien. Bestimmte Selbstmordanschläge hat man seither als „Widerstandshandlungen“ geadelt, andere nicht.

Damit muss jetzt Schluss sein. Die Losung „Ihr liebt das Leben, wir leben den Tod“ hat mit irgendwelchen Konflikten und deren Lösungen nichts zu tun. Sie ist ein Kriegserklärung an die zivilisierte Welt und muss als solche erkannt und bekämpft werden.

 

Link zum Thema:

 

Dr. Matthias Küntzel bei haOlam.de (Auswahl):

 

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Autor: joerg
Bild Quelle:


Dienstag, 17 November 2015






Kleiner Tip an Europa von Ayaan Hirsi Ali: "Satt Israel zu dämonisieren, sollt Europa dessen erfahrene Exoerten holen, um eine umfassende Anti-Terror-Strategie zu entwickeln." http://www.welt.de/debatte/kommentare/article148935457/Wir-muessen-Dinge-tun-die-bisher-undenkbar-waren.html

Und hier was zum Thema `Kalte Füße´: "Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist anderthalb Stunden vor Spielbeginn abgesagt worden. Das teilte die Polizei in Hannover mit, nannte aber zunächst keine weiteren Gründe." Das wars dann mit `Zeichen setzen`. http://www.tagesschau.de/eilmeldung/eilmeldung-383.html

@1 steve Seit wann geht Europa auf gute Vorschläge ein?

@2 steve Und hier etwas zum Thema .... Jan van Aken (Linkspartei) hat doch Heute Morgen tatsächlich gesagt Krieg hat gegen eine Terrororganisation die in der Bevölkerung VERANKERT ist keinen Sinn. Wie bitte ist das denn mit -die Terroristen sind keine Moslems usw.- in Einklang zu bringen?

Die Nerven liegen blank in Paris. "Die Polizisten schreien jeden hier an, die Hände aus den Taschen zu nehmen." Böse von mir: Es scheint bei den Sprengstoffgürtelfetischisten auch eine Frauenquote zu geben. "Eine Frau soll sich am Einsatzort in die Luft gesprengt haben" http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_76124544/liveblog-pariser-polizei-liefert-sich-schiesserei-mit-abaaoud.html

@Steve Ich weis nicht wie oft ich für genau diese Forderung "Von Israel Lernen" dieses und letztes Jahre zensiert, gesperrt und "moderiert" wurde. Vermutlich braucht die dumme westliche Zivilgesellschaft einfach erst ihre Katastropen vor Augen, um zu kapieren. Von Israel lernt man den Kampf gegen Leute die zu dumm für Zivilisation, Humanismus und Aufklärung sind, aber nicht zu Dumm um ein Gewehr zu bedienen und primitive Waffen zu bauen. Daher sage ich heute auch: Man sollte aufpassen was man sich wünscht! Und umgekehrt, sollte man manchmal seinem Gegner genau das gegeben, was er so wehement fordert. Denn wenn ich mir das hier anschaue https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete#Wirtschaft und das Israel ledlich wegen 10 Milliarden an Palestina festhält, dann sollte man villeicht am besten diese Gebiete fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Sollen sie mal zeigen wie überlegen ihr relligiöser Lebensentwurf als Staat ist! Bitteschön! Dann können sie zeigen, dass ihre Wirtschaft aus mehr besteht als aus Olivenbäumen und Intifada.

@Steve Ich weis nicht wie oft ich für genau diese Forderung "Von Israel Lernen" dieses und letztes Jahre zensiert, gesperrt und "moderiert" wurde. Vermutlich braucht die dumme westliche Zivilgesellschaft einfach erst ihre Katastropen vor Augen, um zu kapieren. Von Israel lernt man den Kampf gegen Leute die zu dumm für Zivilisation, Humanismus und Aufklärung sind, aber nicht zu Dumm um ein Gewehr zu bedienen und primitive Waffen zu bauen. Daher sage ich heute auch: Man sollte aufpassen was man sich wünscht! Und umgekehrt, sollte man manchmal seinem Gegner genau das gegeben, was er so wehement fordert. Denn wenn ich mir das hier anschaue https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete#Wirtschaft und das Israel ledlich wegen 10 Milliarden an Palestina festhält, dann sollte man villeicht am besten diese Gebiete fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Sollen sie mal zeigen wie überlegen ihr relligiöser Lebensentwurf als Staat ist! Bitteschön! Dann können sie zeigen, dass ihre Wirtschaft aus mehr besteht als aus Olivenbäumen und Intifada.

6@Hans: Das mit dem zensieren, etc, kenne ich auch. Ist warscheinlich bei haolam abhängig vom Wetter.☺☺ Kurz zu Ihrem Beitrag. Vorm Bataclan hat jetzt einer als "Antwort", Lennons naives Liedchen `Imagine´ geklimpert. Besser wäre es gewesen er hätte Lennons `Happiness is a warm gun´ in die Tasten gehämmert. Beides auf YT abzurufen.☺




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