Fatah feiert verurteilte Terroristen: Abbas’ Friedensversprechen verliert erneut an GlaubwürdigkeitFatah feiert verurteilte Terroristen: Abbas’ Friedensversprechen verliert erneut an Glaubwürdigkeit
In Nablus und Ramallah ehren Fatah-Funktionäre Männer, die an tödlichen Anschlägen auf Israelis beteiligt waren. Die jüngsten Fälle zeigen einen Widerspruch zu den Friedensversprechen von Mahmoud Abbas.

In der palästinensischen Autonomiebehörde werden verurteilte Terroristen weiterhin öffentlich als Vorbilder gefeiert. Eine FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen-Veranstaltung in Nablus und mehrere Äußerungen der Gouverneurin von Ramallah zeigen, dass die Verehrung von Gewalttätern keineswegs auf die Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen beschränkt ist. Auch innerhalb der politischen Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas werden Männer geehrt, die an der Ermordung israelischer Zivilisten beteiligt waren oder Bombenanschläge vorbereitet haben.
Die israelische Organisation Palestinian Media Watch (PMW) veröffentlichte am 26. Oktober 2026 eine Auswertung entsprechender Beiträge aus offiziellen beziehungsweise parteinahen palästinensischen sozialen Medien. Im Mittelpunkt stehen eine Fatah-Zeremonie vom 15. Oktober und zwei Veröffentlichungen der Gouverneurin von Ramallah, Laila Ghannam, vom 21. Oktober.
Die Aussagen sind besonders brisant, weil die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen international weiterhin als mögliche Alternative zur Hamas für die künftige Verwaltung des Gazastreifens betrachtet wird. Abbas stellt seine politische Führung gegenüber westlichen Regierungen als Partner für Diplomatie, Reformen und eine Zwei-Staaten-Lösung dar.
Die eigenen Funktionäre vermitteln jedoch ein anderes Bild, sobald es um verurteilte Gewalttäter geht.
Fatah erklärt die Ehrung von Gefangenen zur nationalen Aufgabe
Am 15. Oktober veranstaltete der Fatah-Bezirksverband in Nablus eine Zeremonie zu Ehren der Familien palästinensischer Gefangener, die lange Haftstrafen beziehungsweise lebenslange Freiheitsstrafen verbüßen.
Nach der von Palestinian Media Watch dokumentierten Übersetzung bezeichnete der örtliche Fatah-Sekretär die palästinensische Gefangenenbewegung als bedeutenden Bestandteil des nationalen Kampfes. Die Unterstützung der Gefangenen und ihrer Angehörigen gehöre zu den vorrangigen Aufgaben der Fatah.
Die Ehrung wurde dabei nicht lediglich als Ausdruck familiärer Solidarität dargestellt, sondern ausdrücklich zu einer politischen Verpflichtung erhoben. Sie stehe für die Treue zu jenen, die für die palästinensische Sache Opfer gebracht hätten.
Solche Worte erhalten eine andere Bedeutung, wenn unter den Geehrten Menschen sind, die nicht wegen friedlicher politischer Betätigung inhaftiert wurden, sondern wegen schwerster terroristischer Straftaten.
Der Unterschied ist entscheidend. Es ist legitim, sich für rechtsstaatliche Haftbedingungen, den Kontakt zwischen Gefangenen und Angehörigen oder die Überprüfung von Strafurteilen einzusetzen. Etwas völlig anderes ist es, verurteilte Mörder und Bombenleger öffentlich als nationale Vorbilder darzustellen.
Genau diese Grenze wird in den von PMW dokumentierten Äußerungen überschritten.
Noch deutlicher wird das bei der Gouverneurin von Ramallah und Al-Bireh, Laila Ghannam. Sie gehört zur Führungsebene der Palästinensischen Autonomiebehörde und ist damit keine unbedeutende Privatperson, deren Äußerungen keinerlei politische Relevanz hätten.
Am 21. Oktober veröffentlichte sie nach Angaben von PMW einen Beitrag über ein Treffen mit einem Angehörigen des inhaftierten Maslama Thabet.
Ghannam würdigte die Familie für ihre besondere Loyalität gegenüber PalästinaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen und übermittelte Thabet ausdrücklich Grüße voller Stolz und Anerkennung.
Doch wer ist dieser Mann, dem eine hochrangige Vertreterin der Palästinensischen Autonomiebehörde öffentlich ihre Wertschätzung ausspricht?
Maslama Thabet war nach den von PMW dokumentierten Angaben an der Entführung und Ermordung der Israelis Etgar Zeituni und Motti Dayan am 23. Januar 2001 beteiligt.
Die beiden Männer betrieben gemeinsam ein Restaurant in Tel Aviv und waren nach Tulkarem gefahren, um Einrichtungsgegenstände einzukaufen. Dort wurden sie von bewaffneten Männern verschleppt und erschossen.
Über die Tat berichteten bereits damals internationale Medien. Die Washington Post schilderte, wie die beiden Geschäftsleute aus einer alltäglichen Einkaufstour nicht mehr zurückkehrten. Der Guardian berichtete ebenfalls über ihre Entführung und Ermordung.
Zeituni und Dayan waren keine Soldaten im Einsatz. Sie waren zwei Zivilisten, die für ihr Restaurant einkaufen wollten.
Mehr als 25 Jahre später wird ein an diesem Verbrechen beteiligter Mann von der Gouverneurin Ramallahs als ehrenhafter Gefangener gewürdigt.
Ein verhinderter Bombenanschlag wird zur Geschichte des Opfermuts
Am selben Tag veröffentlichte Ghannam nach der PMW-Auswertung einen weiteren Beitrag. Darin berichtete sie über ein Treffen mit dem freigelassenen Häftling Saad al-Din Jaber.
Auch ihm sprach sie Anerkennung aus und würdigte den Einsatz palästinensischer Gefangener und ehemaliger Häftlinge.
Jaber war nach Angaben von Palestinian Media Watch für die Platzierung eines großen Sprengsatzes im Jerusalemer Lokal Biankini im Jahr 2001 verantwortlich.
Der Anschlag scheiterte, weil die Betreiberin Dina Dagan die Bombe entdeckte und entfernte. Die Betreiber des später am Toten Meer eröffneten Biankini-Feriendorfs erinnern auf ihrer offiziellen Internetseite ausdrücklich an diesen Vorfall. Nach ihrer Darstellung rettete Dagan durch ihr Eingreifen zahlreiche Menschenleben.
Die Vorgeschichte des Mannes wird in der öffentlichen Würdigung durch Ghannam nicht als Anlass zur Distanzierung behandelt.
Stattdessen erscheinen Gefangenschaft und Haftentlassung als Zeichen von Opferbereitschaft und nationaler Standhaftigkeit.
Damit werden die Opfer terroristischer Gewalt aus der Erzählung verdrängt. An ihre Stelle tritt das Bild eines verdienstvollen Kämpfers, dessen persönliche Geschichte Anerkennung verdient.
Eine solche Darstellung ist nicht bloß eine unglückliche Wortwahl. Sie verschiebt den moralischen Maßstab. Die Tat, die zur Verurteilung führte, tritt zurück; entscheidend wird allein, dass der Täter im Konflikt mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen stand und dafür eine Haftstrafe verbüßte.
Das ist eine politische Form der Terrorverherrlichung.
Die alte Widersprüchlichkeit der Fatah-Führung
Für Leser von haOlam.de sind diese Vorgänge keine neue Entwicklung. Bereits in früheren Berichten haben wir dokumentiert, wie die Fatah unter Abbas verurteilte Terroristen weiterhin als Vorbilder präsentiert.
Im August 2026 würdigte ein Mitglied des Fatah-Revolutionsrates unter anderem Dalal Mughrabi, die 1978 an dem Terroranschlag auf Israels Küstenstraße beteiligt war. Bei dem Massaker wurden 38 israelische Zivilisten ermordet, darunter 13 Kinder.
Im September berichteten wir über Abbas’ öffentliche Friedensbekundungen und eine Sendung des offiziellen palästinensischen Fernsehens, die Terroristen als bedeutende Persönlichkeiten der nationalen Geschichte präsentierte.
Auch bei den finanziellen Leistungen für Gefangene und deren Familien bestehen erhebliche Widersprüche zwischen den Reformankündigungen der Palästinensischen Autonomiebehörde und den Aussagen von Fatah-Funktionären.
Die jüngsten Veröffentlichungen fügen sich in diese Vorgeschichte ein.
Es handelt sich nicht um eine einzelne Veranstaltung und auch nicht um die Äußerung eines politisch unbedeutenden Aktivisten. In Nablus tritt die Fatah als Organisation auf. In Ramallah würdigt eine amtierende Gouverneurin Männer, die mit schwersten Straftaten gegen Israelis in Verbindung stehen.
Das ist gerade deshalb relevant, weil westliche Regierungen von der Palästinensischen Autonomiebehörde erwarten, dass sie eines Tages größere politische Verantwortung im Gazastreifen übernimmt.
Eine glaubwürdige Alternative zur Hamas müsste sich nicht nur organisatorisch, sondern auch in ihrer Haltung zu Terroranschlägen deutlich von der islamistischen Terrororganisation unterscheiden.
Dazu gehört, die vorsätzliche Ermordung israelischer Zivilisten unmissverständlich zu verurteilen. Dazu gehört ebenso, politische Nachwuchsgenerationen nicht mit der Vorstellung aufwachsen zu lassen, dass ein wegen Mordes oder Bombenterrors verurteilter Mensch automatisch ein nationaler Held sei.
Die Ehrung solcher Täter ist kein Beitrag zu Versöhnung und friedlichem Zusammenleben. Sie vermittelt die Botschaft, dass Gewalt gegen Israelis weiterhin ein Weg zu gesellschaftlicher Anerkennung sein kann.
Für die Opferfamilien bedeutet dies eine zusätzliche Demütigung. Ihre Angehörigen wurden ermordet oder entgingen nur knapp einem Anschlag. Auf palästinensischen Veranstaltungen erfahren die Verantwortlichen dagegen öffentliche Anerkennung.
Europa muss auch die Aussagen innerhalb der Fatah ernst nehmen
Die internationale Politik beurteilt die Palästinensische Autonomiebehörde häufig anhand offizieller Erklärungen ihres Präsidenten. Abbas spricht gegenüber westlichen Regierungen von Frieden, Reformen und einer politischen Lösung des Konflikts.
Diese Aussagen müssen jedoch an der tatsächlichen Praxis seiner Institutionen gemessen werden.
Wenn Fatah-Vertreter die Ehrung inhaftierter Gewalttäter zur nationalen Aufgabe erklären und eine Gouverneurin Männer mit terroristischer Vergangenheit öffentlich würdigt, ist das keine nebensächliche Abweichung von einer ansonsten klaren Friedenspolitik.
Es zeigt einen grundlegenden Widerspruch zwischen der nach außen vertretenen politischen Botschaft und der öffentlichen Anerkennung von Gewalt innerhalb der eigenen Bewegung.
Die Dokumentation von Palestinian Media Watch beruht auf Veröffentlichungen, die der Fatah und der Gouverneurin Ghannam zugeschrieben werden. Die ursprünglichen Facebook-Beiträge konnten bei dieser Recherche nicht vollständig unabhängig eingesehen werden. Die historischen Hintergründe der Ermordung von Zeituni und Dayan sowie des vereitelten Bombenanschlags auf das Biankini-Lokal sind jedoch durch weitere Quellen belegt.
Die daraus folgende politische Frage bleibt eindeutig: Warum werden Männer, die an solchen Verbrechen beteiligt waren, von Vertretern einer Führung geehrt, die international als Partner für Frieden und einen künftigen palästinensischen Staat auftreten will?
Frieden entsteht nicht dadurch, dass eine politische Führung im Ausland die richtigen Worte findet. Er setzt voraus, dass sie auch gegenüber der eigenen Bevölkerung eine klare Grenze zwischen politischem Einsatz und terroristischer Gewalt zieht.
Solange die Fatah Menschen wegen ihrer Beteiligung an schweren Gewalttaten öffentlich als Vorbilder ehrt, bleibt der Anspruch von Abbas, für eine friedliche politische Alternative zu stehen, erheblich beschädigt.
Wer ernsthaft eine demokratische und friedliche Zukunft für Israelis und PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen anstrebt, darf diese Verherrlichung nicht als belanglose Tradition abtun.
Autor: Redaktion
Freitag, 06 November 2026